Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz

Seit 1949 trägt unser Stamm den Namen jenes Heidelberger Fürsten aus der Reformationszeit, und längst sind die Lampertheimer Pfadfinder als “die Kurfürsten” bekannt. Was für ein Mensch aber verbirgt sich hinter dem Namen Friedrich III., den man auch “den Frommen” nennt? Und inwiefern kann er nach so langer Zeit einer Jugendgruppe als Namenspatron dienen? Geboren wurde er am 14. Dezember 1515 als Fridericus von Pfalz-Simmern, einer Nebenlinie des Kurfürstengeschlechtes.

Sein Vater war streng katholisch, und so genoß der Sohn eine Erziehung an den katholischen Höfen von Nancy, Lüttich und vorübergehend auch in Brüssel. Unter dem Einfluß seiner ersten Gemahlin Maria von Brandenburg-Kulmbach wandte er sich dem Luthertum zu, tendierte aber später immer mehr zum calvinistischen Bekenntnis, dessen “reine” Lehre für ihn am besten im Einklang mit der Bibel stand. Seine mangelnde lateinische Bildung verhinderte ihm dabei weitgehend den Zugang zu den komplexen theologischen Disputen jener Epoche, doch die Heilige Schrift hatte der Kurfürst eifrig gelesen und sie zur Richtschnur seines Handelns gemacht. Daraus resultierte auch sein Leitsatz: “Herr nach Deinem Willen”. Trotz dieser eher schlicht wirkenden Frömmigkeit verfolgte der Fürst jedoch eine durchaus realistische Politik mit zuweilen recht radikalen Mitteln, wie sich später zeigen wird.

Friedrichs Vorgänger in der Kurwürde, Ottheinrich, galt als Förderer der Künste und Wissenschaften, als Reformator der Heidelberger Universität und Begründer der berühmten Bibliotheca Palatina. Er führte auch die Reformation in der Kurpfalz ein. Nach seinem Tod erlosch die Hauptlinie des Geschlechtes, und Friedrich erhielt im Alter von 44 Jahren den Kurhut. Sein voller Titel lautete: “Friderich Pfalzgraf bei Rhein / des heiligen Römischen Reichs Erzdruchseß und Churfürst / Herzog in Bayrn u. Churfürstentum bey Rhein.” Daraus wird deutlich, wie wichtig seine Position war: ihm unterstanden Bayern, Teile der Rheinpfalz und die Kurpfalz, die Kurwürde verlieh ihm das Recht, im Bunde mit den sechs anderen Fürsten den Kaiser zu wählen Sein hauptsächliches Wirken fällt in den Bereich der religiösen Erneuerung in seinen Territorien.

Doch die reformatorische Bewegung in Deutschland und Europa zerfiel in verschiedene Lager: in Lutheraner, Calvinisten und Zwinglianer, die nicht selten miteinander konkurrierten. Während Ottheinrich noch die lutherische Richtung unterstützt hatte, entschied Friedrich nun im “Abendmahlsstreit” 1560 (Disput um die Auslegung der Abendmahlssymbolik) zugunsten der calvinistischen Lehre; in den folgenden Jahren wurden die Lutheraner zunehmend aus den geistlichen und wissenschaftlichen Positionen verdrängt oder nahmen ihren Abschied.

Auch außenpolitisch setzte sich Friedrich für die Reformation ein; so nahm er ab 1562 zahlreiche protestantische Flüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden auf. In dieser Zeit gab er den berühmten und noch heute vielerorts gültigen Heidelberger Katechismus bei den Theologen Olevianus und Ursinus in Auftrag. Die Lehre wurde in die Praxis umgesetzt: In den Kirchen ließ Friedrich Fahnen, Nebenaltäre und andere “die Andacht störende” Elemente entfernen; in Lampertheim wurde der Lutheraner Valentin Bender durch den reformierten Pfarrer Andres Beck ersetzt. Von 1564 bis 1568 kam es zur Aufhebung etlicher Klöster in der Kurpfalz, teilweise gegen den Willen der Bewohner wie beispielsweise in Liebenau, wo man sich den Amtsleuten des Kurfürsten widersetzte, bis Friedrich persönlich eingriff. Man vertrieb die Schwestern, die in Österreich Aufnahme fanden. Seine Religionspolitik schaffte Friedrich viele Feinde im Reich.

Im Falle Sinsheims bewegte sich Friedrich auf juristisch strittigem Terrain, denn das Kloster gehörte - im Gegensatz zur Stadt Sinsheim - nicht zur Kurpfalz, sondern unterstand dem Speyerer Bischof. Durch diese Taten hatte sich Friedrich isoliert und in eine gefährliche Lage gebracht. Auf dem Augsburger Reichstag 1566 musste er sich vor dem Kaiser rechtfertigen. Dabei berief er sich auf sein Gewissen und den Augsburger Religionsfrieden, der die Entscheidung über die Religion dem Landesfürsten zubilligte (“cuius regio, eius religio”). Seine aufrichtige Verteidigungsrede machte großen Eindruck auf die Versammelten und ließ Friedrich als Sieger nach Heidelberg zurückkehren. Zwar war der Kurfürst nicht unbedingt ein Mann des Krieges, doch 1568 entsandte er seinen Sohn Casimir mit einem Heer nach Frankreich zur Unterstützung der dort verfolgten Protestanten (Hugenotten).

Durch seine Heirat mit Amalie von Brederode, Gräfin von Neuenahr, war er mit den Niederlanden familiär verbunden, weshalb er auch den Freiheitskampf der protestantischen Holländer gegen das katholische Spanien durch Überfälle auf den gegnerischen Nachschub unterstützte; 1574 fiel sein Sohn Christoph bei der Schlacht auf der Mooker Heide - ein Verlust, den der Vater mit der Kraft seines Glaubens tragen musste. Am 26. Oktober 1576 starb Friedrich nach langer Krankheit. Noch auf dem Sterbebett soll er Freude empfunden haben, dass er sein Heil allein durch den Glauben an Jesus Christus und nicht die katholische Hostie erlangen werde. Sein Testament sah eine recht komplizierte Teilung der Lehenslande zwischen seinen Söhnen Ludwig und Johann Casimir vor, da letzterer als ein Garant für das Fortbestehen des Heidelberger Calvinismus galt.

In unserer Erinnerung bleibt Friedrich III. nicht als berühmter Feldherr oder großer Baumeister, sondern vielmehr als ein Mensch, der seinem Glauben und seiner Überzeugung ein Leben lang treu war und unbeirrbar seinen Weg beschritt: ein Charakter mit Ecken und Kanten, nicht eine eindimensional positive Heldengestalt, und doch in seiner Frömmigkeit und Zielstrebigkeit ein Vorbild für uns Pfadfinder.